Welche drei Charaktereigenschaften beschreiben Dich am besten?
Immer hungrig (das ist vermutlich keine Charaktereigenschaft?), sehr ungeduldig, empathisch, authentisch, manchmal ein klitzekleinwenig stur, unordentlich und zählen kann ich wohl auch nicht. ![]()
Mich beeindruckt besonders Lord Cayden Maclean, der Hauptprotagonist aus „Electrica – Lord des Lichts“. Wie entstand er und wusstest Du von Anfang an, dass er so ein vielseitiger und tiefgründiger Mann sein wird?
Das freut mich besonders, denn tatsächlich sollte Cayden ein vielschichtiger Charakter werden – und böse sollte er sein. Ich musste sehr aufpassen, dass ich ihm in meinem Bestreben einen Vampir im Stil Dracula zu schaffen, nicht schadete. Meine Lektorin musste mir ein paar Mal auf die Finger hauen, damit Cayden nicht seine Sympathiepunkte bei den Lesern riskierte. Ich bin sehr froh, dass mir gelungen ist, dass Ganze in der Waage zu halten.
Nova Polar klingt sehr interessant und außergewöhnlich. Ist das Dein richtiger Name oder nur ein Pseudonym, welches Du für Deine Bücher benutzt?
Nova Polar ist ein Pseudonym und hat folgende direkte Bedeutung: eine Nova ist ein Helligkeitsausbruch, ein Stern und Polar meint die Lage von gegenüber liegenden Dingen und erinnert natürlich an die Pole (Norden und Süden), wo das Eis herrscht, wo die Luft kalt und klar ist.
Die Idee dahinter hat etwas mit dem Sommer zu tun: stell dir vor, es ist heiß. So heiß, dass du nicht mehr geradeaus denken kannst. Und dann stell dir vor, du bist im Freibad, springst ins kühle Wasser und auf einmal bist du wieder da. Vollkommen wach und siehst klar.
Ich wäre so dankbar, wenn mein Leben so sein könnte: klar und wach/ verstehend und sehend. Und in meiner Arbeit als Nova Polar (Bücher, Fotografie) versuche ich, die Welt zu verstehen und das mitzuteilen, was ich sehe.
Wie ist die Figur „Hugo Kotsbusch“ entstanden?
Geschrieben habe ich den ersten Hugo, weil ich ein Buch vor allem für Jungen schreiben wollte. Es sollte lustig und lebensnah sein. Ein Buch, bei dem der Leser sich amüsiert und wissen möchte, wie es weiter geht. Jungs lesen ja anders.
Hugo ist ein typischer Vertreter seiner Generation „Zehn Plus“. Er meint, dass er alles kann und alles weiß, hat aber auch den Mumm, sich in peinliche Situationen zu bringen. Trotzdem bleibt er liebenswert – wie eben die Jungs heutzutage so sind.
Was war das bisher schönste/schlimmste Erlebnis im Bezug auf Ihre Bücher bzw. Ihre Arbeit als Autorin? Gab es beispielsweise strahlende Kinderaugen, die Sie beobachten konnten, als diese Ihre Bilderbücher betrachtet und gelesen haben?
Besonders schön war für mich, als ein 12jähriger Schüler mit türkischer Muttersprache „Für mich bist du der Beste“ zum wiederholten Mal aus der Schulbibliothek ausgeliehen hat. Nicht für sich, sondern um das Buch seinem kleinen Bruder wieder vorzulesen, weil dieser die Geschichte so gern hat. Und weil es ihm selbst großen Spaß macht, die Geschichte vorzulesen, besonders die Reime.
Gibt es bestimmte Plätze an denen Du am liebsten schreibst und Dir die besten Ideen kommen?
Je schöner meine Umgebung ist, desto gruseliger kann ich schreiben. Daher habe ich meinen Schreibtisch in den schönsten Platz des Hauses gewuchtet, ein Wintergarten mit Ausblick in den Garten auf einen Mini-Teich. So kann ich also verträumt auf dort badende Vögel blicken, wenn ich meinen Blick von meinen letzten Zeilen reiße, in denen gerade eine Frau von einem Psychopathen gefoltert wird…
Wie bist Du auf die Idee zu „Erebos“ gekommen?
Die Grundidee war eines Tages da, der Rest, also das ganze Drumherum, war ziemlich harte Arbeit. Ideen kommen ja meist recht nackt daher. „Ein Computerspiel greift in das reale Leben seiner Spieler ein“ ist ein schöner Ansatz, aber daraus lässt sich noch kein Buch machen. Man muss klären, wie es das macht, was genau es macht und vor allem: warum? Ich habe lange an diesen Fragen geknabbert, bis ich alles beisammen hatte. So gesehen ist es schwer zu sagen, wie ich auf die Idee gekommen bin. Ich glaube, zehn Prozent waren Eingebung und neunzig Prozent das Sortieren von Puzzleteilchen.
Wie viel Zeit verbringst Du am Tag mit dem Schreiben?
Bücher schreiben ist harte Arbeit. Den Arbeitstag gibt es nicht, da ich mir für einen Tag ein bestimmtes Pensum vornehme, und erst aufhöre, wenn ich es geschafft habe. Das kann am frühen Nachmittag sein, oder, wenn der Text schwierig ist, mitten in der Nacht. Im Schnitt habe ich wohl eine ganz normale Stundenzahl, wenn es nur um das Schreiben geht. Allerdings kommen dazu noch die ganzen Freuden des Freiberuflers: Steuererklärungen und dergleichen … (lacht)
Wie viel Jana Voosen steckt in Ihren Büchern? Beschreiben Sie teilweise selbst erlebte Situationen? Oder tauchen Personen auf, die Sie kennen?
Ich denke schon, dass das Unterbewusstsein so einiges treibt, von dem wir nichts ahnen. Manchmal, wenn ich nach einer ganzen Weile mal wieder einen Text von mir lese, dann denke ich schon: Hoppla, da habe ich wohl diese oder jene Situation aus meinem Leben verarbeitet, indem ich die Protagonistin in eine ähnliche Situation geschubst habe. Aber ich erzähle nie bewusst Erlebnisse nach und meine Figuren sind zwar sicherlich teilweise vom Leben inspiriert, aber frei erfunden.
War das Schreiben schon immer ein Traum von Dir?
Ich habe mir schon als kleiner Junge gerne Geschichten ausgedacht – sehr zum Leidwesen meiner Umgebung, die sich nicht immer sicher sein konnte, ob nun wahr ist, was ich erzähle, oder ob mal wieder meine Phantasie mit mir durchgeht. Angeblich soll ich schon als Fünfjähriger meiner Großmutter angekündigt haben, dass ich eines Tages Bücher schreiben werde. Daran kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber ich weiß noch sehr gut, wie ich mit zwölf meine erste Kurzgeschichte verfasst habe. An einem verregneten Ferientag, mit Kugelschreiber in ein Vokabelheft – statt zu büffeln. Das endete mit einer Zwei in Deutsch und einer Fünf in Latein.
Gibt es eine Person aus Ihren Büchern, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Schwierig. Kalli habe ich gern. Und Walter. Heinz sowieso, Dorothea auch. Eigentlich finde ich sie alle ganz nett.
Haben Sie sich auf das Genre „Psychothriller“ festgelegt, oder könnten Sie sich vorstellen auch Bücher aus einem anderen Genre zu schreiben?
Ich fürchte, es ist genau anders herum: Ich bin genremäßig überhaupt nicht festgelegt und wünsche mir manchmal, die deutsche Buchbranche hätte sich nicht so sehr darauf eingeschossen, jedes Buch sauber eintüten zu wollen. Darum arbeite ich auch mit Pseudonymen.
Wie kommst du auf die Ideen zu deinen Büchern?
Das ist unterschiedlich. Manchmal habe ich urplötzlich ein oder zwei Sätze im Kopf, die ganz abstrakt das Kernproblem beschreiben. Das kann jederzeit und überall geschehen: beim Einkaufen, beim Warten an der Haltestelle etc. So war das etwa bei meinem letzten Roman „Dämon wider Willen“. Ein andermal will ich etwas zu einem Thema schreiben und überlege dann, was ich alles darstellen müsste an Aspekten und Blickwinkeln, um dem Stoff gerecht zu werden, und anschließend erst, wie ich alles in eine Geschichte packen könnte. Das war die Herangehensweise bei „Traumbeben“.
Deine Bücher vermitteln den Eindruck, dass du für dein junges Alter bereits sehr viel Lebenserfahrung hast? Stimmt das, oder sind die Vermutungen falsch?
Schwer zu sagen. Ich hatte eben kein glattes Leben. Ich kam mit sechs Jahren auf ein waisenhaushaftes Grundschulinternat, in diesem Stil ging es dann weiter. Wenn es dagegen immer nur toll läuft, gibt es keinen Grund, groß über die Dinge nachzudenken.
Im Oktober erscheint dein erster Roman „Männertaxi“. Geht damit ein Traum von dir in Erfüllung?
Ich glaube, jeder Mensch, der den Umgang mit Worten liebt und es liebt, andere Menschen mit seinen Worten begeistern zu können und gleichzeitig das Lesen von Büchern als Bereicherung für sein Leben ansieht, verspürt irgendwann den Wunsch, selber ein Buch zu schreiben.
Für mich war das Schreiben eines Romans immer ein Traum, aber ich hätte mich wohl nie selber an einen Verlag gewandt, weil ich irgendwie immer dachte, dass es am Ende niemand lesen möchte, was ich so verzapfe. Zum Glück kam dann aber ja alles ganz anders. Und heute bin ich mehr als glücklich damit, dass mich mein Lektor Timothy Sonderhüsken im Spätsommer 2008 „entdeckt“ hat.

















